Alle wollen ein Haus – um jeden Preis

Oder wie man zwischendurch so small talkt: Habt ihr auch ein Haus?

– Leider nein.

Eine Eigentumswohnung?

– Bedaure.

Meist wird dann das Gesprächsthema gewechselt. Oder gleich der ganze Gesprächspartner. Man eignet sich einfach nicht richtig für einen gepflegten Immo-Talk. Zur Miete wohnen statt Hauskauf…! Also, das ist so ziemlich das Perverseste, was sich ein echter BHW-, Sparkassen- und Raiffeisenbankkunde vorstellen kann. Was sollte an der Werbung aus den 90ern so falsch gewesen sein?

 “Mein Haus – Mein Auto – Mein Boot!”

 

Keine Werbung löste mehr Brechreiz aus als diese Yuppie-Attitüde-Fortsetzung der 80er in die noch gruseligeren 90er: Noch mehr Gehabe, bei noch größerer Inhaltsleere und der finalen Generation X. Wobei “X” stand für…. eben: nix.

Was haben wir daraus gelernt? Auch nix. Nur weil wir 20 Jahre später dran sind, heißt das nicht, dass wir besser dran sind. Es war nicht alles schlecht – aber einiges. Und so was “retten” wir in die Neuzeit!

 

Was ist los mit der Eltern-Generation der 10er Jahre?

Es gibt Mütter, die sich mit Kind auf dem Arm damit brüsten, rechtfertigen, entschuldigen: “Der Kleine wird jetzt 13 Monate – ich gehe aber übernächsten Monat wieder arbeiten.”? Echt, so spät?

Bevor sich die Richtigen über das Falsche aufregen – wer wann entscheidet, den Dienst zu unterbrechen, und für wie lange, das hat erstens keinen anderen zu kümmern und zweitens… mich auch nicht. Denn es ist eine rein persönliche Entscheidung. Man/Frau wird schon wissen was das Beste ist bzw. was er/sie/es will. Aber genau da liegt die Krux im begrabenen Hasen… Weiß das derjenige wirklich so genau? Oder ist er längst fremd bestimmt und ergibt sich einer gesellschaftlichen Druckwelle, die das Gehirn ganz nach hinten drückt.

 

Ungefähr dort wo sich das Großhirn mit lässigem Sprung über die Zirbeldrüse hinter dem Kleinhirn versteckt.

 

Denn in den wirklich allermeisten Fällen wird das Geld für den Hauskauf benötigt. Der Mann (nehmen wir einfach mal diese Rollenverteilung) verdient, auch nicht schlecht (what ever that means?). Aber um den sich ausgesuchten Standard an, sagen wir’s ruhig… an Statussymbolen aus den letzten paar Jahren finanzieren zu können, muss der zweite Job (wieder) her. Mit oder ohne Kinder. Natürlich aber mit Schulden. Trotz zweier Jobs. Double income, no kids. Und gib ihm! Ach nee, da ist ja mindestens ein Kind. So ein Pech aber auch.

Natürlich ist man gleich recht hoch verschuldet. Manche sind überschuldet. Viele sogar.

 

Und schon geht’s los. Kita. Am besten ab 7 Uhr. Aber wenn schon so spät, dann bitte erst um 17.30 Uhr abholen. Schließlich ist der Kleine schon fast selbstständig – wo er doch schon über 70 Wochen alt ist.

 

Heute ist er krank? Macht nichts! Ich habe das Ibuprofen-Rund-um-sorglos-Paket mit 10 Fläschchen im Schrank. Die trinkt der Kleine so gern wie ich rot-geflügelten Vodka, und ab ins Schnuller-Pardies zu seinen Pampers-Saufkumpanen. Die haben nämlich auch alle den Erdbeersaft intus. Prost!

Das bizarre an solchen Szenarien – Sie denken immer noch, ich übertreibe oder es beträfe nur die die Regel NICHT bestätigenden Ausnahmen? Mitnichten! – viele Frauen, die sich mal für das Kind entschieden haben, leiden. Sie wissen, dass hier irgendwas schief läuft.

 

Back to the 90s – pimp up your life!

Der Hauskauf oder der Hausbau müssen weiter gehen. Und die Autofinanzierung. Dabei gäbe es so preisgünstige “Familienautos”…! Wenn dies denn gewollt ist.

 

“Den coolen Mini/den BMW X-irgendwas/den Beetle Cabrio will ich jetzt auch nicht unbedingt zurück geben. Der Urlaub in der spanischen Festland-Finca mit Pool wird dazu gebucht – immer nur Bilder von Haus und Auto sind bei facebook, instagram & Co, auch irgendwann langweilig.”

 

Blasen. Blasen. Viele Blasen.

Blasen wo man hinguckt. Nach der Finanzblase, der Immobilienblase kommt nun die Pimp-My-Life-Blase.

Oder eben die Familen-Blase. Eine Blase, wo eigenlich nichts ist. Aufgeblasen. Ausgeblasen. Abgeblasen.

Das hat auch irgendwann nichts mehr mit Bewertung zu tun. Es ist schlicht und ergreifend keine Zeit da, um wenigstens Familie SPIELEN zu können! Man sieht sich ja nicht. Wann denn auch?

Das wollte man also, als Mann und Frau sich für ein drittes oder gar viertes Familienmitglied entschieden hatten. Interessant. Dieses Konstrukt aus Zeitmangel, Unbefriedigt-Sein auf allen Ebenen, Geldnot bei 2 Gehältern und dafür Null Familiensinn, geschweige denn Familienerlebnisse, soll gewollt sein?

Und wer soll das glauben?

Ein Leben für die anderen. Denn man selbst merkt irgendwie nicht so richtig, was sich ach so Tolles ergeben hat. Dabei müsste doch alles supi sein. Eltern, Schwiegereltern, Chantré-Chefs und die “besten” Freunde sind doch zufrieden gestellt:

Man hat seinen Platz in der(en) Gesellschaft gefunden. Fragt sich nur in welcher?

Darum möchte ich enden mit Alvy Singer in Der Stadtneurotiker (in Anspielung auf das berühmte Groucho Marx-Zitat):

 

“Ich möchte nie im Leben Mitglied in einem Verein werden, der Leute wie mich als Mitglieder aufnimmt.”

 

In diesem Sinne, viel Glück mit Ihrem Anlageberater.

Da kann ja so viel schief gehen.

(Ich bitte vielmals um Entschuldigung für meine unbedachten Worte – aber ich musste mal Luft ablassen. Einfach zu viele Blasen…)