Konstantin Wecker in Saarbrücken (Congresshalle, 13.10.2017)

 

Um gleich bei mir anzufangen… ich habe in diesem Herbst das unglaubliche Glück, gleich zwei der vielleicht vier (neben Hannes Wader und Franz-Josef Degenhardt) großen deutschen Liedermacher im Konzert erleben zu dürfen. Nicht mal weit reisen musste ich, Reinhard Mey kam im September nach Saarbrücken in die Saarlandhalle, Konstantin Wecker lud in Saarbrücken in die Congresshalle ein. Der Rahmen war diesmal mengenmäßig also etwas bescheidener, die sowohl stark menschelnde wie auch “stimmungsmachende” Atmosphäre war auch hier bis zum Anschlag gegeben.

 

Wie bei Reinhard Mey fehlen mir die Vergleiche zu früheren Konzerten. Ich glaube aber kaum, dass es vor 30 Jahren “besser” gewesen ist – höchstens anders.

 

Denn auch hier gibt es diese Parallele zu dem anderen Barden. Vielleicht fehlt was Ungestümes, ein Nichtreflektieren, ein Drauf-los-Singen, das die beiden Ausnahmekünstler in ihren ersten 10-15 Jahren noch mehr zeigten.

 

Aber missen möchte man die Auftritte der heute über 70-jährigen auf keinen Fall. Man hätte eben beides haben müssen. Pech. Zu spät.

 

Umso dankbarer bin ich, dass ich Reinhard Mey und eben Konstantin Wecker in Saarbrücken irgendwie zum “krönenden Abschluss”, nämlich gegen Ende ihrer langen Karriere, noch sehen und hören konnte.

Man wird sehen, wie lange sie noch touren und ob ich dann wieder im Publikum sitzen werde. Beziehungsweise WIR. Diesmal war ich leider ohne meine Frau hingegangen (dafür mit der Mama). Meine Frau und ich planten von Anfang an nur ein gemeinsames Konzert, zu ungewiss war und ist der Erfolg, uns trotz Babysittter davonstehlen zu können.

 

Aber genau damit hatte ich während des Konzertes nun so meine Probleme: Wie bringe ich meiner Frau bei, wie sehr ihr auch der “Konstantin” gefallen hätte?! Und erzähle ich es überhaupt? Ja, habe ich. Das musste ich.

 

Was mir an dem Konzert besonders gut gefallen hat

Um das für mich Wichtigste und letztendlich auch Überraschende vorweg zu nehmen, es war die Person Wecker, die ganz gleich, was sie sang und erzählte, mir inhaltlich so nah war. Es gibt keinen (gesellschafts-)politischen Standpunkt, den ich nicht sofort unterschreiben würde. Das haut wahrscheinlich nicht gleich jeden um. Denn jeder, der zu Konstantin Wecker geht, sucht ihn seit vielen Jahren aus diesen Gründen.

 

Aber dennoch: Nicht alle klatschten, als er sich über die Gefahren, die Abgründe des Patriotismus’  ausließ.

 

Vor allem seine ganz persönliche Abneigung gegenüber einer allzu beherzten patriotischen Grundeinstellung machte er mehr als deutlich. Und auch hier vor Ort setzen die Leute durchaus auf manchmal ziemlich grenzenlosen Lokalpatriotismus. Das Publikum bleibt jedoch “voll links”. Aber zu viel Nestverunreinigung ist nun mal nicht immer oder bei jedem gewollt. Irgendwann ist halt Schluss.

Dennoch blieb alles harmonisch.

Konstantin Wecker kam also mit seiner 6-köpfigen Band voll gespickt mit hochprofessionellen Extraklasse-Musikern um kurz nach 20 Uhr auf die Bühne. Gleich nach den ersten Stücken erkannte man auch als Nichtmusiker die Qualität der akzentuierten Spielweise(n) und das – ganz nach Loriot – harmonische Miteinander. Man kennt sich, man mag sich, man unterstützt und treibt so sich und die anderen zu Höchstleistungen. Ganz ehrlich, ich war überrascht, dass auch die hervorragenden Bandmitglieder dazu beitrugen, dass mich ein Konstantin Wecker Konzert insgesamt begeistert.

Er erzählt gekonnt, da erfahren und angenehm. Aber auch ergreifend persönlich. Man hängt geradezu – wie bei Reinhard Mey – auch zwischen den Liedern an seinen Lippen. Auch Wecker erzählt übrigens gern und viel von seinen Eltern.

 

Wenn Konstantin Wecker von seinem Leben spricht, hat das beinahe beruhigende Wirkung auf mich. Beruhigend, weil ich es leider zu selten erlebe, dass mir jemand so aus der Seele spricht.

 

Ich habe nur das “Liederbuch” von Wecker und kenne ansonsten sein Live Album von ’79. Aber es ist fast egal, was Konstantin Wecker SaarbrückenKonstantin Wecker hier in Saarbrücken spielt und was ich schon mal gehört habe. Das neue Album “Poesie und Widerstand” gefällt und Wecker bringt Titel und Inhalt leidenschaftlich auf die Bühne.