Alkoholvergiftung bei Mädchen nimmt laut neuer Statistik zu

 

Also nochmal, die Mädchen saufen wie die Jungen. Nein, nein, nicht raufen. Saufen. Mädchen saufen. Es geht dabei um Statistiken, die das Jahr 2016 betreffen. Danach lag der Anteil von Mädchen (oder jüngeren Frauen) in punkto Krankenhausaufenthalt wegen Alkoholvergifftung bei 45 %.

 

Knapp 400 Kinder und Jugendliche kamen 2016 mit einem Alkoholproblem ins Krankenhaus. Das sind fast 90 % mehr als im Jahr 2000.

 

Vor allem die Mädchen saufen wie nie zuvor

 

Noch “positiv” wird dabei bewertet, dass es bei den 10 – 14 Jährigen den Jahrtausendtiefststand von nur 32 Fällen zu verzeichnen gab. Der durchaus überraschende Aspekt dabei:

 

75 % der Patienten waren … Patientinnen.

 

Ganz nebenbei wurde noch festgestellt, dass auch die Älteren zwischen 50 und 64 bedeutend mehr saufen. Das aber nur am Rande. Wirkt sowieso nicht sonderlich überraschend und erscheint daher wenig spektakulär. War wohl zu erwarten.

Diese Zahlen wurden heute vom Statistischen Amt veröffentlicht und gelten für das Bundesland Saarland. Ich denke jedoch kaum, dass dieser Zustand für den kleinsten Südwesten exklusiv zu verbuchen ist. Es ist zum einen davon auszugehen, dass sowohl in den anderen 15 Bundesländern ähnlich viel getrunken wird als auch die Ursachen für die nicht ganz so beruhigende Entwicklung durchaus vergleichbar sein werden.

Unser lustiger Mahner und Erinnerer Dieter Nuhr relativiert so gern aufkommende, schlagzeilenträchtige, hysterisch anmutende Neuerungen (“Glyphosat im Dünger ist zwar krebserregend, aber erst bei immensem Verzehr über 300 Jahre lang”). Da sich hier – vergleichbar mit der Diskussion über die Leseschwäche von Viertklässlern – die Frage stellt:

 

Trinken Jugendliche schon seit der Erfindung der alkoholischen Gärung zu viel oder gibt es den von Generation zu Generation gesteigerten Konsum von Alkoholika tatsächlich?

 

… könnte man à la Nuhr auf die Idee kommen: nur keine Aufregung – Alkohol ist gar nicht so ungesund. Und besser die Kids gewöhnen sich schnell daran. Ein Entkommen gibt es sowieso nicht.

Nun, weniger ist der Konsum nicht geworden. Das scheint sicher und das allein gibt spätestens dann zu bedenken, wenn so viele Jugendliche bereits ab dem Alter von 1o Jahren im Krankenhaus landen. Und wenn jetzt die Mädchen neben den Jungen so toll mithalten können, tja dann gibt es keine Bastion mehr zu erstürmen. Alle dürfen und alle machen es auch. Was vor über 40 Jahren mal für pseudoliberalen, sexuellen Erfahrungsaustausch galt, gilt heute für handfesten Suff. Komasaufen eben.

 

Statt Free Love Poppen heißt es heute Alkopops & Co. Wobei in den 70er Jahren zum Sex noch “anständig” gekifft wurde .

 

Halten wir mal mindestens halb-fest: Ja, es wird immer noch gesoffen. Und ganz sicher auch mehr als vor 20 Jahren. Erst recht als vor 40 Jahren. Es gibt ihn also, den stark erhöhten Alkoholmissbrauch.

Damit bleibt nur noch eine Frage interessant: Was könnten die Ursachen dafür sein?

Ok, es schließen sich noch zwei weitere Fragen an:

Gibt es überhaupt herausfindbare Gründe fürs Kindersaufen? Und …

Wer will das eigentlich wissen …?

Was die Gründe betrifft, so diskutierte bereits die NRZ vor über sechs Jahren, dass etwa der Druck an den Gymnasien wachse. Aha. Außerdem müssten die Erwachsenen – neben den Schülern – ebenfalls Verantwortung zeigen und “Vorbild sein und dies auch zeigen”. Interessant. Jetzt ist alles klar.

Man muss nur eben die Zeichen der Zeit erkennen (“Tanzen” von H. Grönemeyer) und als erstes den mobbenden Schülermob und gleich auch die sowieso immer ungerechter werdende Notenvergebung komplett abschaffen.

 

Wenn sich jetzt noch jedes einzelne Elternteil pro Tag zu einer Gutmensch-Tat zwingt (und vor allem nicht vor den Kindern säuft!), bleiben Kinder und Jugendliche so trocken, dass in Deutschland Kakteen aus dem Asphalt wachsen. Und überleben.

 

Es wäre albern, sich auf derartigen Murks beschränken zu wollen. Jedes Kind hat so seine eigenen Probleme. Und doch sind nicht alle Schwierigkeiten dieser Kinder grundverschieden. Es gibt stattdessen ein paar gemeinsame Nenner. Und so viele werden es nicht sein. Wann hat der halbwegs erwachsene Elternteil sein Kind schon verstanden oder verstehen können? Wo bliebe da noch der Freiraum für das Ausleben von Gedankenspielen aller heranwachsender Revoluzzer? Aber viel schlimmer: Was wäre, wenn sich Mama und Papa gar nicht dafür interessieren, wie es dem Kind geht, welche Probleme es hat und vor allem wie man diese lösen kann?

 

Was wäre, wenn die Eltern gar keine Zeit für ihre Kinder hätten?

 

Ketzerische Frage, zugegeben. Denn welche Eltern haben das noch? Zeit. Für die Kinder. Den ganzen Tag auf der Arbeit. Papa muss ja arbeiten. Mama natürlich auch. Welch ein Segen für eine Ver- und Überschuldungsvoraussetzung (Haus, Auto, Urlaub), dass es Ganztagsschulen und KiTas gibt. Die haben Zeit. Und deren Kinder.

Was bleibt, ist das Wochenende. Da machen wir aber mal was mit den kleinen Rabauken …! Schade, geht ja gar nicht, da sind sie schon bei Oma und Opa!

Wollen wir nicht abdriften. Gründe, um zur Flasche zu greifen, gibt es für 10 – 14 Jährige viele. Es macht dabei keinen großen Unterschied ob es Jungen oder Mädchen sind, die gewohnheitsmäßig trinken. Aber es waren mal bedeutend mehr Jungen als Mädchen. Jetzt saufen alle. Und deren Probleme sind nicht nur Pickel, zerbrochene Handydisplays oder schlecht sitzende 3-Wetter-Taft Frisuren. Es geht höchstwahrscheinlich um’s Eingemachte.  Aber wer will sich das schon anhören?

Wer hat dafür schon Zeit …?!

 

Diskutiert mit! Welche Erfahrungen habt ihr mit trinkenden Jugendlichen und leider auch betrunkenen Kindern gemacht?