Saintes-Maries-de-la-mer 2017 (Teil 2)

…wie unter Saintes-Maries-de-la-mer 2017 (Teil 1) beschrieben, hier der zweite Teil!

 

Machen wir beim Campingplatz selbst weiter. Der ist im August natürlich komplett ausgebucht und dementsprechend belebt. Dennoch kann man nicht behaupten, hier sei es hektisch und für die Anlage zu voll.

 

Man kann auch hier in der Hochsaison entspannen, noch Liegen am Pool finden und morgens sein Baguette kriegen. Also drei Baguettes.

 

Man ist eben nicht in Rimini oder Lloret de mar, sondern im sehr zurückhaltend touristisch angehauchten Saintes-Marie. Aber sowohl Ort als auch der Campingplatz sind eher charmant gut besucht als überlaufen.

Kontakte sind – wenn man das will – schnell geknüpft. Ich muss mal eben prahlen an der Stelle: Ich kann voll gut französisch. Nicht mal gelogen. Die (meist) Franzosen sind dann sogar beim Zelt-auf-den-neuen-Stellplatz-rüber-Tragen behilflich. Was will man mehr?! Ich wüsste nichts.

Der Campingplatz hat seine eigenen “privaten” Strandabschnitte, die über gigantische Felsbrockenmauern eingebuchtet sind. Alles kindgerecht. Wie auch die Animation. Die gibt es immer nur in den Monaten Juli/August. Und das ist ok, ja sogar gewollt, wenn man als Familie mit zwei Kindern da ist. Leider auf französisch, das funzt je nach Abend nur bedingt. Aber für unsere Kinder waren die 14 Tage insgesamt ein Abenteuer bzw. haben sie jeden einzelnen Tag so viel erlebt, dass man die abendliche Unterhaltung auf ausländisch nicht unbedingt gebraucht hat.

Kommen wir zu den Begegnungen.

 

Den Bretonen, der Zelte trägt, erwähnte ich schon. Das ist echte Lagerfeuer-Camping-Kameradschaft. Ok, seine Frau war wortkager. Zurückhaltend. Sagen wir stark unterkühlt.

 

Man kann nicht alles haben. Es sind die Kinder, vor allem der Ältere, der so ziemlich jede “freie” Minute mit dem Ball Richtung Kunstrasen-Bolzplatz unterwegs ist. Seine Empfindsamkeit ist glücklicherweise so stark ausgeprägt wie sein Mut bzw. sein Durchsetzungsvermögen. Und wo kann man Tränen und Wut besser ausleben als auf dem Fußballplatz? Eben, nirgends. Es ist phantastisch zu sehen, wie er sich auf alles einlassen kann und selbst unangenehmen Momenten trotzt. Mit und ohne Ball. Der wurde ihm übrigens Anfang der zweiten Woche geklaut. Da wir den aus Marseille stammenden jungen Mitspielern, die beim “Verlorengehen” des Sythetikums zufällig dabei waren, unser diesbezügliches Missgefallen zeigten … und, sagen wir, auch ein ganz klein wenig Druck auf sie ausübten, war der Ball, oh Wunder und alle Fußballgötter beschwörend, zwei Tage vor Abreise wieder da! Kinder…

 

Gegen Ende des Urlaubs wurden dann noch so viele Freundschaften geschlossen, Adressen ausgetauscht, Abschiede “gefeiert”, dass der Große natürlich gern noch länger geblieben wäre. Da war er aber nicht der einzige.

 

Unsere Kleine wurde im Oblath (damit ist immer noch “Urlaub” gemeint) drei Jahre alt. Dass uns an diesem Morgen das schlechteste Wetter der 14 Tage weckte, war vor allem dem Geburtstagskind sehr egal. Die kann sowieso nichts erschüttern. Es sei  denn, äh, doch. Dann aber richtig. Zurück zur Feier. Wir hatten sogar unser Zelt dekoriert! Man soll uns später nichts nachsagen können.

 

Sie bekam ihr Plüschpferd, Kuchen+Kakao und selbstverständlich ihre heiß geliebten Fahrten auf dem “ssell”. Das “Karu” möge man sich dazu denken.

 

Dieses zweistöckige Gefährt ist eigentlich schon eins der Wahrzeichen des kleinen Urlaubsortes. Steht schon seit gefühlten 100 Jahren hier.

Direkt neben der Stierkampfarena, in der – wie es die Camargue Tradition verlangt – die Stiere eher an der Stirn gestreichelt bzw. geneckt werden. Ist ja auch besser als (ver)blutende Tierkadaver aus dem Rund zu schleifen, nur weil ein paar Testosterontouris danach lechzen. Ist auch so interessant und spannend genug. In diesem Urlaub waren die 21 Uhr Veranstaltungen aber zu spät für die Kleinen. Zu Hause auf dem Campingplatz gab es noch kurz Animation. Also französische Animation. Die Kinder schliefen bald.

 

Was gibt es hier sonst noch?

 

Der schon erwähnte und mehr als schmucke Ort selbst, Saintes-Marie-de-la-mer, in dem es eigentlich alles zu bekommen gab, was man an kulinarischen oder eben Camargue-typischen Waren sucht. Eine hübsche kleine Kirche mit super Blick vom Dach! Wie gesagt das Karussell, die Arena, die vielen kleinen Gässchen und all die Dinge, die wir selbst noch nicht entdeckt haben. Wenn man dann am Meer spazieren geht und über die Landschaft blickend, rosa Flamingos, weiße Pferde und schwarze Stiere in Eintracht nebeneinander stehen sieht, ist das insgesamt schon ein sehr rundes Bild, das die Camargue rund um Saintes-Maries abgibt.

So tritt man mit einem lachenden und einem tränenden Auge (der Wind…) die Heimreise an.

Abenteuer gebucht, Abenteuer bekommen. Très bien.